18.08. bis 22.08.2025
Clara-Angermann-Projektwoche
Eibenstock - Die Stadt Eibenstock begeht auf Grund des 250. Jahrestages der Ankunft von Clara Angermann in diesem Jahr das Clara-Angermann-Jahr. Dies war für uns Anlass zu einer Projektwoche mit den Grundschulen.
Stationen in der Clara-Angermann-Projektwoche:
- Leben im 18. Jahrhundert
- Export in die USA, Wilder Westen
- im Schürzenladen: Kleidung, Arbeitsverhältnisse, fair trade
- im “Altes Konsulat”: Theater, Industrialisierung
- Musterzeichnungen, Modeentwürfe
- Historische Schulstunde
- in unserer Schulküche: Hungersnot, „Kochen mit nichts“
- Erfindungen im 18. Jahrhundert
Auf den Spuren von Clara Angermann
Welche Spuren kann ein Waisenmädchen, ein Kriegsflüchtling, eine Ausländerin hinterlassen, wenn sie fünf Jahre in einer ihr fremden Stadt wohnt? Clara Angermann traf damals auf Einwohner, die Neuem gegenüber aufgeschlossen waren und die Chance nutzten, die in der aus Indien stammenden Technik des Tambourierens lag. Man hätte ja auch weiter klöppeln können. So aber entwickelte sich eine Industrie, die der völlig verarmten Stadt in unglaublichem Tempo zu nie da gewesenem Reichtum verhalf. Innerhalb von hundert Jahren hatte sich Eibenstock fast völlig erneuert und in den meisten Häusern ratterten Stickmaschinen. Dreimal musste man ein neues, größeres Postamt errichten, denn man lebte vom Export und war auf dem Weg zum Weltmarktführer. Das diese Entwicklung ein jähes Ende fand, lag an den Kriegen, die zwei Regierungen unter Schwarz-Weiß-Roter Flagge begannen und damit die Absatzmärkte für die Stickereien zerstörten. Und so sind von den ursprünglich 150 Betrieben heute gerade noch zwei erhalten. Um so erstaunlicher, dass heute Schwarz-Weiß-Rot wieder im Trend zu liegen scheint, haben doch diese Regierungen neben einer endlosen Liste beispielloser Verbrechen gerade unserer Region den größtmöglichen wirtschaftlichen Schaden zugefügt.
Was ist von der hundertjährigen Blütezeit geblieben, was hat für uns heute noch Bedeutung? Was war das für eine Zeit, als Clara Angermann in Eibenstock ankam? Wie funktioniert Tambourieren? Was hat man damals gegessen, wie sah es in der Schule aus? Was waren bedeutende Erfindungen? Warum saß gegenüber der Schule ein Konsul der USA? Wie und unter welchen Bedingungen wird heute Kleidung hergestellt? Solchen Fragen sind die Schüler der Eibenstocker Schulen an mehreren Projekttagen nachgegangen.
Damit das Ganze möglichst anschaulich wird, waren einige Stationen an authentischen Orten untergebracht. So durften wir zum Beispiel im Museum ausprobieren, wie das mit dem Tambourieren so funktioniert, per Hand oder mit Maschine. Danke an das Museumspersonal, auch für die ausgeliehenen Utensilien. Bei Frau Mädler im Schürzenladen sahen wir, wie aus vielen Teilen ein Kleidungsstück entsteht. Unsere Alltagsklamotten entstehen aber oft am anderen Ende der Welt und weil wir gern billig kaufen, verdienen die Menschen natürlich auch nur einen Bruchteil von unseren Löhnen. Deshalb setzen wir uns in Eibenstock für einen fairen Handel ein. Danke Frau Mädler für die interessanten Einblicke.
Ein besonderer Ort war das alte Konsulat, denn das seit Langem leerstehende Haus ist normalerweise nicht zugänglich. Unter den alten Stuckdecken ließ sich mit selbst erdachten Stehgreif-Theaterstücken natürlich wunderbar die Zeit aufleben lassen, als Clara Angermann nach Eibenstock kam und als Eibenstocker Stickereien den Wilden Westen eroberten. Hoffentlich waren wir nicht die Letzten, die dem verfallenen Gemäuer noch einmal Leben einhauchten. Frau Wollschläger und Frau Seidel hatten alle Hände voll zu tun, damit bei der Rollenverteilung und der Schlacht um die besten Kostüme nicht tatsächlich der Wilde Westen ausbrach. Danke an die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die das möglich gemacht haben. Der Wilde Westen war auch noch einmal Thema im Kulturzentrum. Der Line-Dance, den uns Schülerinnen der Klasse 9a mit viel Geduld beigebracht haben, war ein typischer Tanz europäischer Auswanderer. Sicher trugen dabei nicht wenige Ladies an ihren Kleidern Eibenstocker Stickereien. Danke, dass wir in den Spiegelsaal durften, das gab dem Ganzen ein tolles Ambiente.
Natürlich konnte man auch in der Schule Dinge entdecken, die nur zu so einem Jubiläum möglich sind. So haben zum Beispiel die Schüler der Klasse 10a eine Bodenkammer zu einer richtigen Zeitkapsel umgebaut. Im Jahr 1925 hat Frau Krehfeld dort oben den Schülern die deutsche Schrift beigebracht, mit Tusche, Feder und Rohrstock. Frau Staab musste mit ihren fleißigen Helfern aus der Klasse 9 schon am Sonntag vorkochen, damit wir kosten konnten, was man damals gegessen hat, garantiert ohne Geschmacksverstärker. In der Physik ging es natürlich um die Dampfmaschine, die bedeutendste Erfindung des 18. Jahrhunderts.
Stickereien mussten zuerst entworfen werden, der Beginn war die künstlerische Gestaltung. In dem verfallenen roten Gebäude Ecke Schulstraße/Vodelstraße war deshalb früher die Kunst- und Gewerbeschule untergebracht. Wir haben uns auch am Musterzeichnen und Modeentwürfen versucht. Und wer wollte, konnte aus alten Gardinenresten, Tischdecken und Spitzenresten mit der Spraydose ganz eigenartige Bilder hervorzaubern. Bei Herrn Goldhahn war dann noch einmal Geschicklichkeit und Fitness gefragt. Mit Klippelsackweitwurf und Tannebaamstaffellauf wurden die alten Zeiten auf eine andere Art gefeiert.
Am Donnerstag und Freitag war dann die Clara-Angermann-Grundschule unserer Einladung gefolgt. Mit viel Elan und Spontanität machten sich die Schüler der Klassen 9 daran, den Grundschülern einige Stationen nahe zu bringen. Bestimmt lief nicht alles gleich perfekt aber Schule heißt ja voneinander lernen. Und am Ende hat sicher jeder etwas gelernt, über die Vergangenheit, über die Gegenwart, und über sich selbst. Noch einmal vielen Dank an alle, die einen Beitrag geleistet haben und hier nicht namentlich genannt wurden, ohne Euch wäre es nicht so schön geworden.
Text: Thomas Helm



...meine Schule im Erzgebirge