21.05.2026
Zu Fuß ins Mittelalter
Eibenstock/Sosa - Wie lange dauert eine Reise zurück ins Mittelalter? Ganz einfach: von Eibenstock aus 20 Minuten. Jedenfalls für die AG UNESCO-Kids. Wir waren im Wald zwischen Sosa und Eibenstock unterwegs. Dort gibt es eine Straße aus dem Mittelalter, die vor Jahrhunderten vom Wald überwachsen wurde. Ursprünglich führte sie als Pfad durch den Urwald „Miriquidi“ von Sachsen nach Böhmen und natürlich umgekehrt auch. Später rollten über den steilen Weg die Erzkarren vom Auersberg zur Schmelzhütte nach Eibenstock. Weil es früher an den schweren Wagen noch keine wirkungsvollen Bremsen gab, mussten die Fuhrleute bergab ein Rad blockieren oder einen Baumstamm hinterher schleifen. So grub sich der Weg immer tiefer in den Waldboden ein, an manchen Stellen über drei Meter. Die letzte Nachricht über den Weg kann man in einem Buch von 1699 lesen. Dort steht, dass er damals Plattner Straße hieß und nach Pilsen (130 km entfernt!) führte. Kurze Zeit später verlor die Straße ihre Bedeutung und wurde vom Wald überwuchert.
Was hat das mit uns zu tun? Es gibt die Idee, diesen alten Hohlweg als kürzeste Verbindung zwischen Eibenstock und Sosa wieder begehbar zu machen. Begehbar machen heißt also nicht neu machen. Alles bleibt so wild, wie es ist, nur dass man wieder drüber laufen kann. Nach über 300 Jahren ist so eine Straße natürlich total überwuchert und zugewachsen. An manchen Stellen liegen die Äste meterhoch.
Unsere AG war zweimal da. Die Großen aus der Klasse 7 haben sich einen besonders schlimmen Abschnitt vorgenommen: der riesige Asthaufen, der da lag, war zusätzlich von Brombeergestrüpp überwuchert. Darunter kam dann noch eine große Fichtenwurzel zum Vorschein, die in den Weg ragte. Manche Äste waren so schwer, dass wir zu viert Hand anlegen mussten. Unser Nachwuchs aus der Grundschule kümmerte sich eine Woche später um einen Abschnitt, der total mit jungen Buchen verwachsen war. Hier sollte der Weg freigeschnitten werden, möglichst ohne die Bäume zu fällen. Wir haben von den jungen Buchen die Seitenäste abgeschnitten. Das klingt erst mal nicht schön, hilft den Bäumen aber sogar, einen geraden, astfreien Stamm zu bilden. Das dichte Blätterdach der Baumkronen wird später einmal dafür sorgen, dass der Weg nicht wieder zuwächst.
Es wird schon noch etwas dauern, bis der Weg wieder begehbar ist. Aber, hey, wir waren dabei und es hat eine Menge Spaß gemacht!



...meine Schule im Erzgebirge